co-labor: Gemeinschaftswerkstatt und Leihlager
Wer kennt das nicht: Das Video über ein Upcycling-Projekt auf Insta ist so inspirierend, dass man es gleich selbst ausprobieren möchte. Omas alte Kommode könnte dafür gut herhalten. Nur haben nicht alle eine Schlagbohrmaschine, eine Stichsäge, eine Schleifmaschine oder einen Dremel zu Hause. Also werden die Gerätschaften halt bei einem Billiganbieter gekauft, bestenfalls über Temu. Nach einmaligem Gebrauch ist die Maschine dann meist auch hinüber, das Projekt gescheitert. Janu, überlässt man das Basteln halt den Influencer:innen – hat ja nichts gekostet. Die Maschine landet im Müll und Omas Kommode setzt im Keller Staub an.
Dem schafft das co-labor im Eisenwerk Abhilfe. Das co-labor bietet neben einer Gemeinschaftswerkstatt nämlich auch ein Leihlager an. Der Leihkatalog mit den zur Verfügung stehenden Artikeln ist lang und divers:
- Bohrmaschine
- Buttonmaschine
- Dekupiersäge
- Dörrgerät
- Laubsauger
- Laminiergerät
- Lötstation
- Nähmaschine
- Pfadikessel
- Stichsägen
- Tacker
- ...
Ja, sogar eine Schwimmweste, eine Pastamaschine oder Schneeschuhe stehen auf der Liste.
Mitgliedschaft und Mitgestaltung
gekennzeichnet, die besagen, ob ein Kurs
für die Handhabung notwendig ist.
Eines vorweg: Momentan ist es noch nicht möglich, einen Artikel aus dem Leihlager ohne Jahres-Mitgliedschaft auszuleihen. Auch die Werkstatt darf nur mit einer Mitgliedschaft benützt werden. Denn für einige Gerätschaften vor Ort – wie die Kreissäge oder den Lasercutter – braucht es eine Einführung. Da nicht immer jemand vom betreffenden Bereich anwesend ist, wäre das sonst zu gefährlich. Noch fehlen die finanziellen und personellen Ressourcen für einen Schichtplan, der eine durchgängige Anwesenheit regelt. Im Kern geht es aber im co-labor sowieso um Gemeinschaft. Die Nutzenden sollen langfristig eingebunden werden und auch gemeinsam an Projekten arbeiten. Deshalb ist der Fokus nicht auf einmalige Nutzungen ausgerichtet.
Das Leihlager funktioniert wie eine Bibliothek: Nach dem Abschluss einer Jahresmitgliedschaft für 120.- Franken können die Artikel wochenweise ohne Zusatzgebühren ausgeliehen werden. Die Ausleihe erfolgt selbständig über den Computer vor Ort. Mit dem Abschluss der Mitgliedschaft erhält man auch den Code für den Schlüsselkasten und somit unbeschränkten Zugang zur Werkstatt. Bis zu drei Gäste dürfen das Mitglied ausserdem gratis begleiten, für diese übernimmt das Mitglied in dieser Zeit die Verantwortung. Im laufenden Jahr 2025 soll es auch möglich werden, eine günstigere Mitgliedschaft nur fürs Leihlager abzuschliessen.
Das Material, das du für deine Projekte benötigst, bringst du selbst mit in die Werkstatt. Oder es kann – falls vorhanden – zum kleinen Preis erworben werden. Kleinmaterialien wie Klebeband, Papier, Perlen etc. können kostenlos gebraucht werden.
Entstehung neuer Bereiche
In den letzten drei Jahren hat sich aus der Idee, Menschen den Zugang zum Werken und Reparieren zu ermöglichen, eine richtige Gemeinschaft von regelmässigen Nutzenden entwickelt. Auch das beliebte Repair-Café ist zu einem festen Bestandteil des co-labors geworden. Dafür gibt es einen fix installierten und gut ausgestatteten Elektro-Bereich. Es gibt Regale für den Kreativbereich, mit Papier, Farben und Bastelartikeln, eine Holzwerkstatt und neu auch eine Keramikecke. Besonders beliebt sind aber der Lasercutter und der 3D-Drucker.
Immer wieder lancieren Nutzerinnen und Nutzer neue Bereiche im co-labor. Nachdem eine Töpferscheibe gespendet wurde, ist die Keramik-Ecke entstanden. Nun stehen vier Stationen zur Verfügung, an denen gedreht werden kann. Der Ofen, der sich momentan noch im Nebenraum befindet, soll auch bald in der Nähe der Arbeitsstationen eingerichtet werden. Bei genügend Interesse werden auch kostenlose Kurse und Workshops von erfahrenen Mitgliedern angeboten. Das gilt für alle Bereiche im co-labor.
Abwarten und Anpacken
Bezeichnend für das co-labor sind die Menschen, die immer wieder bereit sind, freiwillig einen Effort zugunsten aller zu leisten. Doch Veränderungen brauchen Zeit und manchmal schweben Ideen oder Anpassungen im Raum, die erst nach langer Zeit umgesetzt werden. Zum Beispiel der Filter für den Lasercutter, der den Anforderungen nicht genügte. Erst dank eines Sponsorings und dem Engagement von Freiwilligen konnte dafür ein Abluftrohr durch die Wand gezogen und nach draussen geführt werden.
Organisiert wird das co-labor von engagierten Nutzerinnen und Nutzern. Sie übernehmen Teilverantwortung für bestimmte Bereiche. Sie leiten meistens zu zweit einen Werkstattbereich oder kümmern sich um organsiatorische Anliegen, wie Werbung, Fundraising oder die Verwaltung der Zugangs- und Nutzendendaten. Das co-labor ist dem Verein Kultur im Eisenwerk (KiE) angeschlossen. Dort sind nicht nur die Räumlichkeiten, sondern auch die Finanzen immer wieder ein Thema. Das co-labor wird von der Stadt Frauenfeld finanziell unterstützt. Für spezifische Projekte, wie dem Einbau des Abluftrohrs, werden auch Firmen für ein Sponsoring angefragt.
Dein Platz im co-labor
Im co-labor steckt unglaublich viel Freiwilligenarbeit. Das Herzblut, mit dem die Verantwortlichen und Nutzenden bei der Sache sind, ist in jedem Winkel der Räume zu spüren. Hast auch du Lust, Teil dieser Erfolgsgeschichte zu werden? Oder hast du kreative Ideen, aber keine Mittel und keinen Raum zur Umsetzung? Oder möchtest du einfach nur den Lasercutter ausprobieren? Dann melde dich beim co-labor!