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Mit kleinen Schritten die Welt verändern – Projekt «I am in»

An einem Donnerstagmorgen sitzen drei Frauen an einem Tisch im Saal der ehemaligen methodistischen Kirche am Altweg und erzählen mir von «I am in». Sie könnten unterschiedlicher nicht sein: Lydia, ehemalige Bäuerin, ist bereits 80 Jahre alt; Aylin trägt ein Kopftuch und kommt ursprünglich aus dem Nahen Osten; Gabriella ist Theologin und Projektleiterin und sprudelt vor Energie und Tatendrang.

In der kleinen Kirche sind die Bänke und die Orgel verschwunden und der Raum ein Teil von «Kirche anders» geworden. «Wir müssen das Modell Kirche neu denken, damit sich auch junge Menschen dafür interessieren», sagt Gabriella. Aber nun sind wir vom Thema abgeschweift. Denn es geht beim Treffen der drei Frauen nicht um den Glauben oder zumindest nicht den religiösen Glauben. Vielmehr geht es darum, neue Wege für eine bessere Zukunft zu finden. Was die drei Frauen verbindet: Der Glaube daran, dass viele einzelne gemeinsam Grosses bewirken können. So wurde das Projekt «I am in» letztes Jahr ins Leben gerufen.

I am in

Der Projektname soll das Miteinander versinnbildlichen. «Nach einem Vortrag beim «Fiirabe-Träff» haben die Teilnehmenden über Frieden diskutiert und darüber, wie Frieden entstehen kann. Wir kamen zum Schluss, dass nur soziale Gerechtigkeit Frieden schafft», so Gabriella. Diese Erkenntnis weckte Frust, da alle das Gefühl hatten, allein nichts bewirken zu können. «Man müsste sehen, dass auch andere mitmachen und man gemeinsam einen Unterschied macht.» Das Projekt «I am in» war geboren. Der Name ist inspiriert von der «Me too»-Bewegung. Denn der griffige Titel mit den wenigen Worten, der um die ganze Welt ging, faszinierte Gabriella. «I am in» soll die stärken, die schon in eine gewisse Richtung denken oder gehen, damit sie sehen, dass sie nicht allein sind. Gleichzeitig soll es andere zu neuen Schritten ermutigen. So entstanden die sogenannten «Challenges». Eine Challenge beschreibt ein Vorhaben zur Verhaltensänderung, das gut im Alltag umsetzbar ist. Auf der seit Dezember 2025 eingerichteten Website kann man sich bei den Challenges eintragen und fortan gemeinsam für etwas einstehen.

Challenges

Ein Blick auf die Website zeigt die unterschiedlichsten Themen, für die bereits Challenges formuliert wurden:
Auf Verpackungen verzichten, Ernährungsverhalten ändern, Strom- und Wärmeverbrauch reduzieren, Flugreisen eingrenzen usw.

Da die Welt voller ungelöster Probleme scheint, werden der Gruppe die Themen für eine Challenge so schnell nicht ausgehen. Ausserdem soll das Projekt dynamisch sein, sich verändern. «Vielleicht müssen wir in einigen Jahren eine Challenge aufgrund von neuem Wissensstand anpassen und das ist gut so», meint Gabriella.

Wer Mühe hat mit der Umsetzung, kann auf die Chat-Funktion auf der Website zugreifen. Sie soll helfen, Probleme zu klären und bei Bedarf Unterstützung und Tipps von anderen Teilnehmenden bieten. Wer lieber persönlich in den Austausch kommt, kann an einem der Treffen teilnehmen, die alle zwei Monate stattfinden.

Treffpunkt am Altweg 15

Bei den Treffen wird ein vorab definiertes Thema diskutiert. Pro Abend sind meistens 4 bis 8 Personen anwesend. Das Alter reicht von 25 bis 80 Jahren. Die Themen entstehen bei vorherigen Treffen, beim gemeinsamen Kochen («zäme choche») oder im «Kafi-Treff». Alle Teilnehmenden bringen ihr Wissen zum Thema ein. Es sind keine Experten vor Ort. Jede Person teilt ihre eigenen Beobachtungen und Erfahrungen. Das Ziel ist, aus dem Gehörten eine oder mehrere Challenges zu definieren. Danach entscheidet jeder für sich, ob und welche Challenge er im Alltag umsetzen möchte.

«Natürlich bleibt auch immer Zeit, um Erfahrungen zu teilen. Wie gut oder schlecht es mit der Umsetzung einer Challenge schon klappt», erklärt Gabriella. Der 2-Monats-Rhtyhtmus kommt nicht von ungefähr, denn so lange braucht das menschliche Gehirn in etwa, bis eine Umstellung zur Gewohnheit geworden ist. Wer die Challenge bis zum nächsten Treffen nicht geschafft hat, macht einfach weiter, bis sie sich im Alltag verankert hat.

Dank der Gruppe konnte Aylin ihren Fleischkonsum erfolgreich auf 1x wöchentlich reduzieren. «Es werden dem Tier ungesunde Dinge verfüttert. Dazu kommen die Schlachterei und der Fleischtransport von Brasilien oder Indien, zum Teil mit lebenden Tieren, die qualvoll verenden. Darauf möchte ich verzichten! Wenn ich Fleisch esse, dann nur noch von einem lokalen Anbieter.» Gabriella hingegen hat schon eine Idee für ihre nächste Challenge: «Maximal 1x pro Woche ein Nahrungsmittel kaufen, das nicht aus der Schweiz oder dem angrenzenden Ausland kommt.» Und Lydia meint: «Wenn ich hierherkomme, dann lerne ich immer etwas. Ich kaufe lieber Schweizer Gemüse aus der Gefriertruhe als Produkte aus Spanien oder Italien. Bio ist gut und recht, aber es kommt auch aus dem Ausland. Das ist ein Witz!»

Gemeinsam mit dem ganzen Team von I am in sind sich die drei Frauen einig, dass es noch viele Probleme gibt, die gelöst werden müssen. Sie wollen einander und andere stärken, die sich Veränderung wünschen. Sie zeigen stellvertretend auf, dass auch kleine Schritte durch viele Einzelne etwas bewirken. Und dass alle dazu beitragen können. Denn die Zeit ist reif, etwas zu tun!

Mit was fängst du heute an?

 

Link zum Projekt: https://i-am-in.org

 

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